Die anderen sind viel schlimmer!

Probleme abzuwälzen kann manchmal simpel erscheinen.

Irans Präsident Ahmadinedschad jedenfalls scheint das zu glauben. Um von den menchenverachtenden Zuständen nach der Wahlfarce im theokratischen Iran abzulenken, versucht er, die ihn kritisierenden westlichen Demokratien verbal abzuwerten. Im aktuellsten Fall dreht es sich um die Reaktionen zum Mord an der Maarwa E. in einem Dresdner Gerichtssaal.

Der NPD-nahe Täter hatte die Ägypterin mit 18 Stichen getötet, bevor die Polizei eingreifen konnte. Zwar wird in der aktuellen Diskussion Islamophobie in der deutschen Gesellschaft kontrovers diskutiert und immer wieder abgestritten (man siehe z.B. die Kommentare hier), aber teils auch als Problem erkannt. Die Bundesregierung jedenfalls äußerte ihr Mitgefühl.

Der durch gefälschte Wahlergebnisse amtierende Präsident des Irans, der sich in seinem Land immer noch revoltierenden Demokraten gegenübersieht und dessen Bevölkerung immer noch aufsteht gegen die Wahlfarce vor einigen Wochen, bezeichnet die Bundesregierung als „brutal“ und die deutsche Justiz als „korrupt“. Während erst am 9. Juli wieder hunderte Studenten bei Demonstrationen verletzt wurden, Proteste andauernd mit Gewalt klein gehalten werden und Milizen mit Äxten, Messern und Schusswaffen gegen Demonstranten vorgehen, scheinen die Vorwürfe gegen Deutschland aus Teheran doch eher lächerlich.

Aber tatsächlich: Islamophobie und Fremdenhass sind verbreitet in Deutschland. Ahmadinedschads Angriff wird in der Diskussion aber diejenigen in ihrer Meinung bestärken, die ihre Augen vor dem Hass in der deutschen Gesellschaft verschliessen wollen. Islamophobie ist Realität.

Die Ablenkung bzw Verneinung eigener Probleme ist übrigens kein auschliesslich iranisches Phänomen. Auch bei uns herrscht die Mentalität „Woanders ists doch viel schlimmer!“. Anstatt aber die eigenen Probleme zu leugnen und kleinzureden, sollte man lieber anfangen, sie zu lösen.