Archiv für August 2009

Die Waffentradition

Lokales Radio verbreitet manchmal den schönsten Mumpitz. Jüngst hörte ich von der Kündigungswelle bei der „Traditionsfirma Sig Sauer Eckernförde“.

Welche Tradition verbirgt sich hier? Ein Blick auf die Homepage des Unternehmens klärt auf: Die Jahre 33-45 werden bewusst ausgelassen und das aus einem simplen Grund. Die Herstellung von Waffen für die deutsche Kriegsmaschinerie im Zweiten Weltkrieg und auch für Polizei und Gestapo, Produktionsstätten in KZs und Gewinne durch das Leid von Millionen Menschen scheinen sich im Marketingkonzept der Firma nicht gut zu machen. Die Enteignungen nach dem Zweiten Weltkrieg sprechen aber für sich.

Immerhin, man brüstet sich nicht mit der unschönen Geschichte. Die Konkurrenz zeigt weniger Gewissen.

Die Firma ‚Carl Walther Sportwaffen GmbH‘ produzierte in einem eigenen Gebäude auf dem Lagergelände Neuengamme Waffen und Munition für die Wehrmacht. Auch heute noch brüstet sich die Firma auf der eigenen Homepage „mit mehr als 2.500 Beschäftigten in den Jahren 1943 bis 1945“ auf dem „Zenit des Erfolges“ gestanden zu haben. Dass der Großteil dieser Beschäftigten Zwangsarbeiter in KZs wie eben Neuengamme waren, übersieht man bewusst und sorgfältig. Von einer Beschäftigung mit der eigenen Geschichte und der Verantwortung für die eigenen Verbrechen, kann hier keine Rede sein.

Tradition scheint die euphemistische Bezeichnung für Konformität mit den Nazis und Kapitalschlagung aus den Verbrechen im Dritten Reich zu sein. Anstatt die eigene Geschichte aufzuarbeiten, wird sie vergessen.

Die Folgen des Krieges

Die tatsächlichen Folgen des Einsatzes internationaler Truppen, der Milliardeninvestitionen und des jahrelangen Wiederaufbauprogramms scheint Afghanistan bei der kommenden Wahl zu spüren bekommen.

Während der ehemalige US-amerikanische Präsident Bush seinen ‚War on Terrorism‘ internationalisierte, sah sich auch NATO-Mitglied Deutschland gezwungen, Soldaten ins Kriegsgebiet zu schicken. „Deutschlands Sicherheit am Hindukusch verteidigen“ hiess es dann, das „geläuterte Volk der Deutschen“ müsse gegen Unrecht ins Felde ziehen. Was nobel klingen mag, waren fadenscheinige Ausreden, um den Kriegseinsatz einer deutschen Armee legitimieren zu können. Nicht nur können Sicherheitsexperten durch den Krieg keine Senkung des Risikos für Deutschland erkennen (eher gegenteilig), nicht einmal das von Unrecht durchzogene Land Afghanistan selbst scheint positive Folgen aus dem Krieg ziehen zu können.

Symptomatisch für das Versagen des Krieges stehen die kommenden Wahlen in Afghanistan. Wenn auch die Medien hierzulande gern von freiheitlichen oder demokratischen Wahlen reden, sprechen Diplomaten im Land intern schon von einer ‚Wahlfarce‘, während Wahlbeobachter sogar noch klarere Worte finden: „“Wir können hier keine freien und fairen Wahlen garantieren.“

Stimmkauf, Geisterwähler und fehlende Kontrolle sind nur einige der Probleme, mit denen das Land zu kämpfen hat, in dem angeblich durch (auch deutsche) Soldaten die Demokratie Einzug gehalten hat. Vor allem der westlich unterstütze Präsident Karzai gerät immens in die Kritik der Wahlbeobachter.

Ein Krieg für die Demokratie? Das Urteil scheint gefällt.

Der Tipp des Tages

Auch wenn die Ankündigungen der „neuen“ Fatah-Führung nicht zu Freudensprüngen anregen sollten, scheint Abbas doch ein Signal im Nahostkonflikt setzen zu können, das neue Hoffnung bringt. Die Zeit berichtet.

Sanktionen für den Iran?

Wie der Spiegel zu berichtet weiß, sind die von Obama initiierten Diskussionen über härtere Wirtschaftssanktionen für den Iran erneut entflammt. Obama könnte damit die Fehler der Vergangenheit endlich als solche erkannt haben und die Gefahren des iranischen Atomprogramms anpacken.

Die offiziell zivile Atomforschung in der von Krisen geschüttelten Theokratie wird immer wieder im Zusammenhang mit der Forschung nach der Bombe genannt. Jede Form der Verhandlung oder Kontrolle der iranischen Anlagen wurde bisher vom Regime abgewiesen. Ob Teheran tatsächlich die Bombe zu erreichen versucht, ist unklar aber wahrscheinlich.

Eine mögliche Atommacht Iran würde vor allem Israel massiv bedrohen. Nachdem Obamas Solidarität mit der einzigen freien Demokratie im Nahen Osten zuletzt immer mehr zu bröckeln schien, könnten die neuen Sanktionen und Mittel gegen den Iran einen Krieg gegen Teheran vielleicht noch auf der Zielgeraden verhindern.