Die Waffentradition

Lokales Radio verbreitet manchmal den schönsten Mumpitz. Jüngst hörte ich von der Kündigungswelle bei der „Traditionsfirma Sig Sauer Eckernförde“.

Welche Tradition verbirgt sich hier? Ein Blick auf die Homepage des Unternehmens klärt auf: Die Jahre 33-45 werden bewusst ausgelassen und das aus einem simplen Grund. Die Herstellung von Waffen für die deutsche Kriegsmaschinerie im Zweiten Weltkrieg und auch für Polizei und Gestapo, Produktionsstätten in KZs und Gewinne durch das Leid von Millionen Menschen scheinen sich im Marketingkonzept der Firma nicht gut zu machen. Die Enteignungen nach dem Zweiten Weltkrieg sprechen aber für sich.

Immerhin, man brüstet sich nicht mit der unschönen Geschichte. Die Konkurrenz zeigt weniger Gewissen.

Die Firma ‚Carl Walther Sportwaffen GmbH‘ produzierte in einem eigenen Gebäude auf dem Lagergelände Neuengamme Waffen und Munition für die Wehrmacht. Auch heute noch brüstet sich die Firma auf der eigenen Homepage „mit mehr als 2.500 Beschäftigten in den Jahren 1943 bis 1945“ auf dem „Zenit des Erfolges“ gestanden zu haben. Dass der Großteil dieser Beschäftigten Zwangsarbeiter in KZs wie eben Neuengamme waren, übersieht man bewusst und sorgfältig. Von einer Beschäftigung mit der eigenen Geschichte und der Verantwortung für die eigenen Verbrechen, kann hier keine Rede sein.

Tradition scheint die euphemistische Bezeichnung für Konformität mit den Nazis und Kapitalschlagung aus den Verbrechen im Dritten Reich zu sein. Anstatt die eigene Geschichte aufzuarbeiten, wird sie vergessen.


2 Antworten auf „Die Waffentradition“


  1. 1 Rasmus 29. August 2009 um 20:06 Uhr

    Das Zitat von Carl Walther ist herrlich. Das wäre tatsächlich mal einen Zeitungsartikel oder ein Anschreiben an die Firma wert …

  2. 2 keimfrei 30. August 2009 um 14:28 Uhr

    Tatsächlich habe ich den Hinweis von einer Führung durch das KZ Neuengamme und dort versuchte man schon, mit der Firma in Kontakt zu treten. Fehlanzeige!

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