Ein Zeichen gegen Toleranz

Die schweizer Volksinitiative für ein Verbot des Minarettbaus ist überraschend gelungen. Im alltäglichen Medienzirkus lies sich diese Meldung kaum übersehen. Während in europäischen und muslimischen Ländern eine Welle der Empörung zumindest in Politik- und Medienkreisen die öffentliche Meinung zu vereinahmen versucht, bemühen sich rechtspopulistische Strömungen in der „Alten Welt“, ihre Glückwünsche nicht im Sog des Widerspruchs verklingen zu lassen.

Tatsächlich lässt sich die Befürworterschaft des Verbots, das sich aller Voraussicht nach in nächster Zeit Überprüfungen in Hinsicht auf Einschränkungen der Religionsfreiheit und offensichtliche Diskriminierungen eines Glaubens ausgesetzt sehen wird, nicht einfach mit dem Attribut „rechtsextrem“ abtun. Vermeintliche Streiter für Aufklärung und Humanismus wie beispielsweise Michael Schmidt-Salomon sehen die Initiative als ein Symbol „gegen den politischen Islam, gegen Kopftuchzwang und Ehrenmorde, gegen die Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen, kurzum: gegen all die reaktionären Werte“.

So schön diese Aussage auch klingen mag, so falsch liegt ihr Verfasser. Tatsächlich ändert ein Minarett-Verbot nämlich weder etwas an der religiösen Meinung oder der Ausübung muslimischer Glaubensrituale (in der Schweiz stehen nämlich gerade einmal 4 Minarette), sondern ist die symbolische Diskriminierung einer Religion – unabhängig ob gemäßigt oder dogmatisch ausgelegt – und Manifestation einer längst keimenden Islamophobie. Übertragen auf christliche Glaubensgemeinschaften lässt sich das Minarettverbot vergleichen mit einem Kirchturmverbot für alle Christen aufgrund fanatischer Pro-Life Aktivisten, die Schwangerschaftsabbrecherinnen angegriffen hätten. An und für sich wäre eine solche Tat verwerflich; ein solches Verbot als Strafe aber weder angemessen noch in irgendeiner Weise effektiv.

Es bleibt dabei: Das Minarettverbot ist Ausdruck einer zunehmenden Intoleranz gegen den Islam in allen Ausprägungen. Während natürlich die erwähnten reaktionären Werte nicht geduldet werden können, muss gleichzeitig erkannt werden, dass nicht Muslime die Wurzel allen Übels sind. Sogar in der vor dem Votum als weltoffen und multikulturell bekannten Schweiz müssen Toleranz und Respekt gegenüber anderen Kulturen und Religionen wieder entdeckt werden.

Gerade, wenn wir – wie viele Anhänger der Initiative – mehr Toleranz von muslimischen Ländern fordern (eine Aussage, die sich immer wieder in Sätzen wie „Versuch mal, eine Kirche in der Türkei zu bauen“ widerspiegelt), müssen wir mit gutem Beispiel vorangehen. Ein Votum wie das in der Schweiz, greift alle Bemühungen um Verständnis und friedliches Zusammenleben aufs Neue an.


2 Antworten auf „Ein Zeichen gegen Toleranz“


  1. 1 Mirk 30. November 2009 um 21:16 Uhr

    Anstatt über mehrere Absätze deine unbegründete Meinung zu äußern wäre es mal sinnvoll Argumente aufzubringen WIESO dem so ist (,dass es ein Ausdruck der Intoleranz ist) und nicht wie der Autor oben es sagt.

    Dein Satz „So schön diese Aussage auch klingen mag, so falsch liegt ihr Verfasser.“ ist anmaßend und man kann nur eins sagen: Lies dir den Text nochmals(!) durch. Denn der Verfasser sagt NICHT dass das Minarettverbot das lösen würde wo du behauptest es würde nicht gelöst, sondern sagt dass es ein Zeichen aus der Bevölkerung ist, nicht das etwas besser wird. Also: Erst lesen.

    „…So schön diese Aussage auch klingen mag, so falsch liegt ihr Verfasser…“
    Vergleiche mal den Fall mit Ehrenmorden und Selbstmordanschläge auf Ungläubige, und du siehst wie sehr dieser Vergleich hinkt. Unzulässig.

    „Gerade, wenn wir – wie viele Anhänger der Initiative – mehr Toleranz von muslimischen Ländern fordern (eine Aussage, die sich immer wieder in Sätzen wie „Versuch mal, eine Kirche in der Türkei zu bauen“ widerspiegelt),“
    Dann gehe doch mal darauf ein Anstatt den Satz einfach nur zu erwähnen.
    In der Schweiz, wie in den meisten anderen europäischen Ländern genießt diese Minderheit Rechte von denen Christen in besagten Ländern nur träumen können.
    WIR haben den ersten Schritt bereits getan, Tore weit geöffnet, Integrationsangebote massenweiße, persönliche Rechte die sich nicht auf Religion beziehen wie jeder andere Mensch auch.
    Und das kehrst du unter den Tisch.
    DAS wiegt viel mehr als diese beschissenen Minaretten.
    WIR haben den Schritt getan, und niemand kam uns entgegen. Im Gegenteil, die Situation wird schlimmer.

    Großer Quatsch hier. Das nächste mal etwas weniger Polemik, dafür aber begründete Worte

    keimfrei: 1. Ich stelle die Ansicht des angesprochenen Autors als falsch dar, weil er in dem Verbot ein Zeichen gegen reaktionäre Werte sieht (wie sich aus dem Zitat und anderen Textstellen ergibt), das eigentliche Zeichen der Kampagne aber nicht hin zu westlichen Werten (zu denen auch Toleranz zählt) sondern weg von eben diesen hin zu Ausgrenzung und Diskriminierung führt.

    2. In meinem Beispiel erwähne ich explizit die Gewalt der fiktiven christlichen Fanatiker, daher passt es.

    3. Ich gehe doch darauf ein. Ich sage, dass, wenn wir Moral predigen, wir auch Moral leben sollten, sprich, wenn wir mehr Toleranz fordern, wir auch Toleranz zeigen müssen. Die angesprochene Gegenmeinung verhält sich in etwa wie folgende Aussage: „Seid toleranter, wir sind ja auch tolerant, aber wenn ihr nicht tolerant seid, sind wir es auch nicht.“ Das Paradoxon ist offensichtlich, die Kontraproduktivität eines solchen gegenseitigen Machtgehabes der Kulturen konterkariert jedweden Versuch einer Verständigung.

  2. 2 Josty 30. November 2009 um 22:02 Uhr

    Ich hab deinen Blog noch nicht gekannt, aber ich finde du spiegelst du eine weit verbreitete Meinung mit diesem Beitrag wieder. Islam-angst hin Überfremdung her, für was braucht eine Moschee ein Minarett.

    Kirchtürme sollen genauso wenig abgerissen werden wie die die bestehenden Minarette!! Der Vergleich mit Kirchtürmen ist EXAKT das selbe wie der Vorwurf das Gegner den Satz bringen „Versuch mal, eine Kirche in der Türkei zu bauen“. Dein Post ist zwar sprachlich ziemlich gut, inhaltlich spiegelt er aber genau das wieder was du den Gegner vorwirfst.

    keimfrei: Warum sollte eine Moschee denn kein Minarett haben dürfen? Ist kulturelle Tradition kein Argument, wenn es sich auf nicht-westliche Kulturen bezieht?

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